Veränderung in Phasen: Das Niemandsland – zwischen Alt und Neu

Veränderung und Chancen

Veränderung findet in verschiedenen Etappen statt: Eine Betrachtung der Phase, wenn das Alte nicht mehr und das Neue noch nicht ist.

Nichts ist so stetig wie der Wandel.

Es sind oftmals die vielzitierten, sogenannten Binsenweisheiten, die wir selbstverständlich – weil oft gehört – an uns vorüberziehen lassen.

Werden diese Aussprüche genauer betrachtet, kann es passieren, dass sich Widersprüche und Unschlüssigkeiten ergeben-

So wie im Artikel „Gedanken zu: Ich denke, also bin ich – Sicher?“

Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, dass man einem solchen Ausspruch zustimmen kann und möchte.

„Nichts ist so stetig wie der Wandel“ gehört dabei für mich definitiv zu denjenigen Redewendungen, denen ich zustimme.

Was ist Veränderung?

Doch was sind Veränderung und Wandel überhaupt?

Voraussetzung ist, dass es einen Status quo gibt. Etwas, das aktuell bereits Bestand hat.

Wenn dieser Zustand in einen neuen wechselt, so nennt man diesen Übergang Veränderung. Es gibt sozusagen ein Alt und ein Neu.

Ausmaß von Veränderungen

Dabei muss eine Veränderung nicht radikal und offensichtlich sein, sondern kann auch sehr subtil und in weniger offensichtlichen Schritten erfolgen. Es ist maßgeblich, dass der Ausgangszustand nicht mehr exakt wie vorher existiert. Dann ist es Veränderung.

Beispiel für Veränderung aus dem Alltag

Ein Brötchen liegt auf einem Teller in der Mitte eines Tisches.

Mögliche Veränderungen:

  • Du isst das Brötchen auf.
  • Du beißt nur ein klitzekleines Stückchen vom Brötchen ab.
  • Du legst das Brötchen vom Teller auf den Tisch
  • Du schiebst den Teller 2 cm zur Seite

Dieses banale Beispiel zeigt auch, dass Veränderung ein Prozess ist. Das heißt, dass etwas nicht plötzlich vom alten Zustand in den neuen Zustand wechseln kann. Es liegt ein Vorgang dazwischen. Dieser Vorgang kann eine andere Tätigkeit oder auch die Veränderung als Prozess selbst sein.

Welche Rolle spielt das für dein Leben?

Das liest sich wahrscheinlich sehr einleuchtend für dich und vielleicht fragst du dich, warum ich über ein so trockenes, krümeliges Thema wie die unterschiedlichen Verzehrstadien einen Brötchens schreibe.

Was im Alltäglichen und Konkreten – wie dem Brötchenbeispiel – total einleuchtend ist, vergessen wir oft, wenn es um Abstrakteres, weniger Greif- und Überschaubares geht. Das kann Verhaltensweisen, Ereignisse, eigene Entschlüsse, und noch vieles mehr betreffen. Et voilá, da sind wir bereits mitten im Leben.

Verschiedene Arten von Veränderung

Es gibt geplante Veränderungen und ungeplante Veränderungen.

Sie können plötzlich auftreten oder sich langsam zeigen. Manche Veränderungen sind irgendwie selbstverständlich, gesellschaftlich anerkannt/erwartet und können daher leichter fallen – müssen es aber nicht. Andere Veränderungen wiederum fallen nicht so leicht.

Beispiele für die erwarteten, weil systemintegrierten Veränderungen:

  • der Wechsel von der Grundschule in die weiterführende Schule,
  • der Beginn einer Ausbildung, eines Studiums oder etwas anderes nach der Schule
  • etc.

Das sind Veränderungen, für die es meist eine gewisse Vorbereitungszeit gibt.

Beispiele für unerwartete, plötzliche Veränderungen:

  • eine Kündigung durch den Arbeitgeber,
  • ein Unfall,
  • etc.

Die Vorbereitungszeit ist hier stark verkürzt oder gar nicht erst vorhanden.

Das Niemandsland: Zwischen „nicht mehr“ und „noch nicht“

Was beiden, den plötzlichen und den geplanten Veränderungen, jedoch gemeinsam ist: Die Phase zwischen Alt und Neu. Eine Phase in der das Alte nicht mehr so, wie gewohnt, existiert und das Neue noch nicht komplett etabliert ist.

Es ist fast wie ein Niemandsland. Die alten Routinen funktionieren nicht mehr und neue gibt es noch nicht.

Um vom Alten ins Neue zu kommen, muss man durch dieses Niemandsland. Egal wie leicht oder schwer es fällt. Es ist daher notwendig, diese Zeit und diese Phase des Prozesses anzunehmen und vollständig zu durchlaufen.

Es kann sein, dass du in dieser Zeit unsicher bist, dass Ängste, Zweifel, Orientierungslosigkeit und derlei Gefühle auftauchen, die sich nicht sehr angenehm anfühlen. Das ist natürlich. Denn, wenn das Alte und vor Allem Gewohnte nicht mehr ist/ nicht mehr sein wird, fühlen wir uns unsicher. Der alte Rahmen ist nicht mehr der gleiche oder gar komplett fort. Das, was uns vertraut ist, gibt uns Sicherheit. Verändert sich dieses oder fällt es sogar weg, fühlen wir uns verletzlich.

Chancen in Zeiten der Veränderung

Doch das Niemandsland gibt dir auch Zeit zum Wachsen und Reflektieren. Es gibt dir die Möglichkeit, Innezuhalten, aus Altem zu lernen und dich auf das Neue vorzubereiten.

Ein gesunder Wechsel von Alt nach Neu ist ohne die Phase im Niemandsland – egal wie es konkret für dich aussieht – nicht möglich.

Welche Hindernisse und Stolperfallen gibt es?

Voraussetzung für den Eintritt in diese Phase des Nochnicht und Nichtmehr ist jedoch erst einmal die Akzeptanz dessen, dass das Alte keinen Bestand mehr hat.

1. Stolperfalle: Nicht-Akzeptanz

Wenn du dich innerlich weigerst, veränderte Umstände anzunehmen. Wenn du diese Änderung vielleicht leugnest, dir einredest, dass sie nicht stattfindet und dich ihr verschließt. Dann verweigerst du dir auch die nächste Phase im Prozess: das Niemandsland mit seinen oben genannten Möglichkeiten. Dadurch bleibst du gewissermaßen stecken und kannst dich nicht weiterentwickeln

2. Stolperfalle: Flucht nach Vorn

Die zweite Stolperfalle bildet das Gegenstück zur ersten Stolperfalle: Du akzeptierst zwar, dass es veränderte Umstände gibt und bist dir auch bewusst, dass du dich in einer Übergangphase, also im sogenannten Niemandsland, befindest. Jedoch möchtest du dort so schnell wie möglich raus. Vielleicht verfällst du in Aktionismus und machst und tust allerlei Dinge, damit du das Gefühl hast, alles unter Kontrolle zu behalten und damit die Zeit im Niemandsland so schnell wie möglich vorbei geht. Du tust alles, damit du diese Unsicherheit und deine Verletzlichkeit in dieser Übergangsphase nicht spüren musst.

Was tun im Niemandsland?

Umarme deine Verletzlichkeit in solchen Übergangsphasen.

Phasen der Veränderung können uns verunsichern und dadurch verletzlich machen, weil das Alte, die Routine keinen Bestand mehr hat und das neue noch nicht etabliert ist.

Der einzige Weg, der uns gestärkt und um Erfahrungen bereichert aus solchen Phasen hervorgehen lässt ist: Die Unsicherheit und eigene Verletzlichkeit anzunehmen und voll Liebe und Vertrauen für sich zu sorgen. Das kann z.B. bedeuten:

  • sich eine Zeit lang zurückzuziehen
  • sich mit Vertrauten auszutauschen
  • mitunter lästige organisatorische Arbeiten erledigen (ja, auch das ist Fürsorge für dich selbst, wenn es dir zu Erleichterung oder mehr Struktur verhilft)
  • geduldig sein und nicht zusätzlich noch streng mit sich selbst werden à la „ Was denn, kommst du immer noch nicht klar?“
  • sich auch mal ablenken und einfach eine schöne/ lustige/ alberne Unternehmung machen
  • sich Zeit geben,

Denn: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Im Übrigen auch nicht, wenn man es schubst – für die besonders Ungeduldigen.

[…] die Unsicherheit und eigene Verletzlichkeit annehmen und voll Liebe und Vertrauen für sich sorgen. […]

Denn: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Wenn du dir all dies bewusst machst, kannst du das ganze Potenzial der „Niemandslandphase“ für dich nutzen und Schritt für Schritt deinen Rhythmus finden um dem Neuen zuversichtlich zu begegnen.

2 Kommentare zu „Veränderung in Phasen: Das Niemandsland – zwischen Alt und Neu“

  1. Liebe Sang,
    ich wollte mich schon seit einiger Zeit mal hier umsehen, einfach aus Interesse aber auch Inspiration für meinen Weg. Und dann lese ich genau diesen Artikel, in dem es um Veränderung geht. Und es gibt momentan soooo viele davon in meinem Leben – danke Unterbewusstsein und DANKE Sang! Der Artikel hat mich schmunzeln lassen und gleichzeitig nachdenklich gemacht 🙂

    1. Liebe Farina,
      danke dir, das freut mich, dass der Artikel dir Impulse und Anregungen geben konnte.
      Ja, wundersam schön, wie wir – wenn wir uns einlassen – wie von Zauberhand zu den gerade passenden Begegnungen und Fundstücken geführt werden.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top