Das Leben ist paradox. Du auch. Vom Ablehnen und Annehmen.

Paradox
  • „Ich will jetzt keine unpassende Frage stellen, aber …“
  • „Ich will ja nicht unhöflich sein…“
  • „Ich will Dich nicht bedrängen, jedoch..“

Paradox sind die anderen

Sicher sind Dir andere Menschen im Alltag bereits öfter mit diesen Sätzen begegnet. Na, wie war Deine Reaktion darauf? Wahrscheinlich hast Du innerlich die Augen verdreht und gedacht: ‚Ja tust Du aber schon.‘ Vielleicht jedoch konntest Du es Deinem Gegenüber direkt sagen. Je nachdem in welcher Beziehung man zueinander steht, geht dies mal leichter mal schwieriger von der Zunge.

So weit, so gut.

Paradox bist Du selbst

Nun schieben wir nicht alles auf die anderen und fassen uns mal selbst an die Nase. Na? Erwischt?

  • „Ich will Dich nicht unterbrechen, aber …“
  • „Ich will ja nicht unhöflich sein…“
  • „Ich will Dir nicht zu nahe treten, jedoch..“

Tja. Zu spät. Alles schon passiert. In dem Moment, in dem ich es ausspreche, habe ich den anderen bereits unterbrochen. Ich bin bereits unhöflich und bedrängt habe ich ihn oder sie auch noch.

Das geht sogar noch weiter: Das betrifft nämlich nicht nur Aussagen, die wir auf unser Gegenüber beziehen, sondern auch auf uns selbst.

  • „Ich will ja nicht eingebildet klingen, nur..“
  • „Ich will ja nicht spießig sein, …“
  • „Ich will nicht zu bedürftig ankommen, …“

Du siehst. Ebenso bereits alles schon geschehen.

Der rosa Elefant

In dem Moment, in dem wir etwas nicht wollen, ist es bereits.

Das ist wie mit dem rosa (je nach Region gelben) Elefanten. Wenn ich Dir sage:

„Stelle Dir nun auf GAR KEINEN Fall einen rosa Elefanten vor!“ Schwupps, wer steht da mitten in Deinem Kopf?

Genau.

In dem Moment, in dem wir etwas nicht wollen, ist es bereits.

So verhält es sich nicht nur mit Dingen, die Du Dir vorstellst, sondern mit Allem. Also auch mit Aussagen, die Du über Dich selbst triffst: Ungeliebten Eigenschafte und Gewohnheiten, etc.

Mehr Beispiele:

  • „Ich will nicht feige/ dumm/ dünn/ arrogant/ unsportlich sein/ minderbemittelt/ bescheuert/ dick/ kalt/ übertrieben, etc… sein“

oder

  • „Ich will nicht rauchen/ so ungesund leben/ schnell gestresst sein/ mich ständig aufregen, etc.“

Alles, was Du nicht willst, ist schon da. Es existiert bereits bzw. ist ein Teil von Dir.

Was abgelehnt wird, wird wiederholt

Indem Du Dich darauf versteifst, dass diese Teile Deiner selbst nicht erwünscht sind, drängen sie sich immer mehr auf. Sie werden noch gegenwärtiger, gerade weil Du sie nicht willst und ablehnst. Und sie werden Dir solange hinterher laufen und auftauchen bis Du Dich ihrer annimmst.

Darum bekommst Du manchmal das Gefühl, dass Dir immer wieder die gleichen Geschichten passieren.

… sie werden Dir solange hinterher laufen und auftauchen bis Du Dich ihrer annimmst

Dazu passend: Ein Gedicht vom Widerstand

Achtsames Annehmen und Eingestehen

Bis Du Dir eingestehst: Ja, das gehört jetzt gerade zu mir. Ja, ich bin jetzt ängstlich oder arrogant. Ich lebe ungesund und rege mich schnell auf. Ja, ich kann das jetzt noch nicht. Ja, ich habe Angst nicht genug zu sein.

Du nimmst Dich wahr, mit Deinen vermeintlichen Unzulänglichkeiten und Schwächen. Denn seien wir ehrlich: Alles was wir selbst anfangs für schwach und unzulänglich halten, wollen wir nicht haben und schon gar nicht sein.

Du gestehst Dir ein und nimmst an. Und zwar nicht trotzig, genervt, und resigniert. Sondern liebevoll und aufmerksam.

(Die Trotz – und Genervtheitsphasen darfst Du dennoch vorher durchlaufen 😉 Das ist ganz normal)

Akzeptieren, Lösungen finden, gelöst werden

Was folglich passiert: Du kommst Dir selbst ein Stückchen näher. Du holst Dich selbst ab. Genau dort wo Du Dich gerade auf Deinem Weg befindest. Anstatt einer aktuell – in diesem Augenblick – nicht vorhandenen Version von Dir hinterherzujagen.

Dadurch eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Du wirst nicht mehr mit Scheuklappen den endlosen Tunnel entlang rasen, à la: Hier bin ich falsch, dort vorne bin ich richtig.

Gelassenheit und neue Möglichkeiten zu Handeln

Sondern: Dich ganz entspannt von seinem Platz umschauen. Den Blick weit machen. Was umgibt Dich? Was begleitet Dich? Was hast Du Da in Deinem Werkzeugkasten? Herausfinden, kennenlernen: „Hey, schau mal, was man damit noch alles machen kann, spannend!“

Nach so einer Bestandsaufnahme lassen sich viel leichter Entschlüsse fassen und Entscheidungen treffen. Deine Entschlüsse bekommen dadurch eine solide Basis und ein stabiles Grundgerüst.

Einfach, weil Du weißt, womit Du zu tun hast. Weil Du dadurch gelassener sein kannst. Weil Du Dich weniger verkrampfst.

Zu den Themen Entschluss, Antrieb, etc. ließe sich ein eigener Artikel füllen. Ich gehe hier vorerst nicht weiter darauf ein. 🙂

Stay Positive, Tschakka, Tschakka, ich will!

Ok. Verstanden. Jetzt bin ich aber ganz schlau, weil ich bereits Einiges gelesen und gehört habe. Die Tschakka-Alles-ist-wundervoll!-Stay-positive-Gurus predigen das so: Ich mach einfach eine positive Aussage daraus und alles wird gut.

Wie ist das also, wenn ich etwas will und herbeiwünsche? Und sage:

  • Ich will mutig sein (statt: ich will nicht mehr ängstlich sein)
  • Ich will rattenscharf aussehen (statt: ich will morgens nicht mehr einem Zombie ähneln)
  • Ich will selbstbewusst sein (statt: ich will nicht mehr schüchtern sein)

Kurz: Es ist genauso – bloß umgekehrt.

Sicher. Es ist ein Anfang. Das Hirn verarbeitet positive Sachen etwas leichter/schneller als Negatives. Außerdem setzt Du durch die Formulierung „Ich will“ ein Ziel und somit eine Zielrichtung. Der Weg bis dahin geht sich jedoch nicht von allein 🙂

Alles positiv zu formulieren ist auch keine Lösung, wenn Du Dich dabei selbst verar***st

Im Mangel sein. Etwas fehlt

Das Gefühl des Wollens entsteht aus einem Mangel heraus. Einem Nichtvorhandensein. Wenn Du etwas willst, heißt dies, dass Du es aktuell (noch) nicht hast.

Ich schreibe ganz bewusst aktuell und noch, weil es mir um den gegenwärtigen Zustand geht. Nur, wenn Du jetzt erkennst, kannst Du tatkräftig gestalten. Und zwar im Jetzt. Schließlich wird aus ganz vielen Jetzt mal eine ganze Zukunft und später eine ganze Vergangenheit.

Es ist ein Mangelgefühl, dass Dich zum Wollen bewegt. Ein Gefühl, dass da etwas fehlt, damit Du glücklich und vollständig sein kannst. Ein Gefühl, dass Du am liebsten ganz schnell beseitigen und mit irgendetwas auffüllen möchtest, stimmt‘s?

  • Du willst mutig sein, weil Dir gerade der Mut fehlt.
  • Du willst schön sein, weil Dir gerade Dein Selbstwert fehlt.
  • Du willst einen Partner, weil Du denkst Dir fehlt die Liebe.

Auch hier wieder. Hol Dich ab. Hinterfrage Dich was jetzt ist.

Hinterfragen, annehmen und (er)lösen

Was steckt hinter Deinem Wollen? Was wartet darauf von Dir als Teil angenommen, anstatt weggeschoben zu werden? Was sind Deine ungeliebten Seiten?

Nimm sie an. Nimm sie in den Arm. Denn all dies ist ein Teil von Dir. Du bist bereits vollständig wie Du bist. Doch Du kannst es nicht fühlen, solange Du Anteile von Dir verleugnest.

Deine Entscheidung

Das ist ein sehr intensiver und tiefgehender Erfahrungs- und Lernprozess an und mit Dir selbst. Je nachdem welche Themen behandelt werden, kann dies unheimlich schmerzvoll und unangenehm sein.

Es erfordert Mut, Geduld, Achtsamkeit und Ausdauer. Doch wenn Du Dich entscheidest diesen Weg zu gehen, wirst Du reich belohnt werden. Wenn Du Dich für Dich entscheidest, wird Deine Arbeit süße, friedlich-freie Früchte tragen.

Süße Früchte finden und Frieden mit sich selbst schließen

Du bist paradox. Du bist gegensätzlich. Du bist gleichzeitig. Du bist alles und noch mehr. Sonne und Mond. Salz und Pfeffer. Schön und hässlich. Klug und dumm. Yin und Yang. Selbstbewusst und schüchtern.

Du verletzt und Du wirst verletzt. Du bist sehend und Du bist blind. Du bist Tag und Du bist Nacht.

Du bist ein vollendetes Meisterstück und ein Wunderwerk in Arbeit.

Gleichzeitig.

Du bist.

2 Kommentare zu „Das Leben ist paradox. Du auch. Vom Ablehnen und Annehmen.“

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